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Video by Bernd Riebe - June 2010 - rec. cisco flip ultra

Dank der Unterstützung vieler hilfbereiter Menschen überwiegend aus Mönchengladbach haben wir nun in Dar-es-Salaam ein Grundstück für Eazy Mjema gekauft, das Eazy im wahrsten Sinne als Existenzgrundlage dient. Es liegt am Rand der ständig wachsenden Stadt. Das Gebiet wird in kurzer Zeit ein lebendiges Viertel mit allen Läden und vielen Kunden für Eazy sein. Die Idee dahinter ist, dass er ein solches Grundstück gleich mehrfach nutzen kann. Schon jetzt hat er seinen Workshop darauf errichtet und spart so die Miete für seinen jetzigen Platz. Er kann dort Gemüse anbauen und Früchte ernten und muss so nicht mehr so oft hungern. In Kürze wird er mit unserer Hilfe dort auch ein Haus bauen in dem er leben und sich einen Ausstellungsraum einrichten kann. Sein Stand am Slipway wird damit längerfristig überflüssig. Für später plant Eazy eine kleine Galerie am Rand des Grundstücks zu bauen und dort sogar einen Schneider zu beschäftigen, der aus seinen Batikstoffen Hemden, Kleider und Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Tischdecken und Kissenbezüge nähen soll.
Wir haben Eazy nun auf seinem Grundstück besucht und trafen auf einen überglücklichen Menschen, der mit großem Eifer und viel Geschick aus einem Stück Wildnis einen schon jetzt wohnlichen Ort bereitet hat. Diese Hilfsaktion hat sich nun schon zu einem Hilfsprojekt für die Menschen in Eazys Umfeld ausgeweitet. So wohnt ein 15jähriger bisher obdachloser Junge bei ihm, der nun von Eazy künstlerisch angeleitet wird. Von dem Geld, das wir zusätzlich zur Verfügung stellten und auch von dem Verkauf der Batikstoffe und Kunstgegenstände, konnte Eazy bereits einige "Fundis", Handwerker, beschäftigen, die ihm halfen, den neuen Workshop zu bauen und Materialien wie Sand und Steine zum Grundstück zu transportieren. Eazy lernte schnell von den Handwerkern, so dass er sein Toilettenhäuschen einschließlich Fundament bereits ohne Hilfe bauen konnte.
Der nächste Schritt wird nun der Hausbau sein. Dafür braucht Eazys etwa 500.- EUR. Da wir so glücklich über die Entwicklung und den Fleiss Eazys waren und es uns so angerührt hat, dass Eazy selbstlos den Jungen Kasim aufgenommen hat, haben wir entschieden, weitgehend die Kosten für Eazys Haus zu tragen. So wird das Eazy Projekt viel schneller zu einem positiven Ende kommen und Eazy und Cazim werden schon bald in einem richtigen Haus schlafen können. Im Moment schläft Cazim in der Werkstatt und Eazy in dem Zelt, das wir mit nach DAR brachten.
Eazy teilt inzwischen seinen Stand am Slipway mit seiner Mutter und hat in letzter Zeit wieder einiges verkaufen können und sogar wieder Aufträge bekommen. Selbstverständlich wird auch er jeden Schilling, den er nicht zum unmittelbaren Leben braucht in sein Haus investieren. Auch unsere Tochter Linda hat ihm ihre finanzielle Unterstützung zum Hausbau zugesagt und auch jetzt schon oft geholfen.
Auch durch den Verkauf seiner Stoffe und anderer Kunstgegenstände hier in Mönchengladbach kommen wir dem Ziel, Eazy auf eigene Füße zu stellen immer näher.

Für alle, die neu auf dieses Video stossen und Eazys Geschichte nicht kennen hier noch einmal die Hintergründe für die Hilfsaktion, an der sich viele Menschen in Mönchengladbach beteiligt haben. Den Spendern und Helfern sei hier nochmals herzlich gedankt. Natürlich auch in Eazys Namen der dies nie vergessen wird und für den das Eazy Aid Project das Größte war, was er je erlebt hat.

Eazys bürgerlicher Name ist Emil Kawina Mjema. Er ist von Beruf Batik-Designer und als solcher in Tansania sehr geschätzt, denn seine Batik Stoffe tragen ganz besonders schöne, aber auch sehr schwierig zu gestaltende Muster. Er ist 32 Jahre alt und lebt und arbeitet in Dar-es-Salaam.
Er verkaufte seine Stoffe vor seinem Besuch in Deutschland im Jahr 2008 an einem Verkaufsstand in der Nähe von einigen Luxushotels, die von europäischen und amerikanischen Urlaubern bewohnt werden. Die Anlage heißt Slipway und ist in Dar-es-Salaam als Verkaufsort für Kunsthandwerk sehr beliebt. Die Künstler zahlen dort Miete und obwohl diese sehr hoch ist, sind die Plätze heiß umkämpft und es ist beinahe ausgeschlossen, dort einen Verkaufsstand zu finden. Eazy hatte aber schon seit einigen Jahren dort seinen festen Platz, den er auch unter seinem Namen gemietet hat. Während seiner Reise nach Deutschland benutzte seine Mutter diesen Platz zum Verkauf ihrer eigenen Batik-Stoffe. Leider wollte sie diesen Platz nach Eazys Rückkehr nicht mehr freigeben. Sie nahm in Kauf, dass Eazy keine Gelegenheit mehr hatte, seine Stoffe zu verkaufen. Das hatte für ihn zur Folge, dass er die Miete für seine "Wohnung" nicht mehr bezahlen konnte und deshalb umziehen musste.
Er lebt seither in einem Komplex von drei ineinander verschachtelten Häusern zusammen mit ca. 30 anderen Mietern. Er haust in einem Raum ohne Fenster. Das Wellblechdach ist so niedrig, dass Eazy gerade darin stehen kann. In diesem Raum herrscht eine unvorstellbare Hitze, die durch das Blechdach an den Raum abgestrahlt wird. Zur Zeit ist es so schlimm, dass Eazy nicht mehr in seinem Bett schlafen kann, denn die Matratze hat sich so aufgeheizt, dass er darauf nicht mehr liegen kann. Deshalb schläft er auf dem Betonboden um sich etwas Erleichterung vor der großen Hitze zu verschaffen. Sein Moskitonetz benutzt er schon länger nicht mehr, denn darunter ist es viel zu stickig. Er nimmt deshalb in Kauf, sich erneut mit Malaria zu infizieren. Der Ventilator funktioniert nicht. Zu allem herrscht in der "Wohnanlage" ein fürchterlicher Lärm. Kinder schreien und Radios plärren bis tief in die Nacht. Eazy kann keine Nacht mehr als zwei, drei Stunden schlafen. Die Toilette und das Bad, bestehend aus einem kleinem kahlen Raum mit einem Wasserbottich zum Übergießen, teilt er mit den 30 anderen Bewohnern. Sprich eine Stunde Wartezeit vor der Toilette ist normal.
Dieses Zimmer muss er jetzt immer seltener benutzen, da er nun häufig in seinem Zelt auf seinem Grundstück übernachtet. Den Raum wird er aber solange behalten (Miete ist für ein Jahr bereits bezahlt) bis sein Haus fertig ist. Dann kann er endlich mit seinen Möbeln (ein Bett, ein Schrank und ein Kühlschrank) dort hinziehen und kann ein freies selbstbestimmtes Leben führen.

So haben wir Mönchengladbacher einen Menschen aus Dar-es-Salaam, Tansania, glücklich gemacht. Und wir denken, dass dies auch für uns eine Freude ist.

Bernd und Xenia Marita Riebe, Mönchengladbach, den 24. Juni 2010